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Wir brauchen einen europäischen Nachhaltigkeitspakt

Wer ein sicheres und wettbewerbsfähiges Europa will, muss zuerst gegen die Klimakrise und die Umweltzerstörung kämpfen. Denn die Abhängigkeit von fossilen Ressourcen, die immer höheren Kosten für die Bewältigung der Klimakrise, aber auch die Ratlosigkeit im Umgang mit Fluchtbewegungen, die mit den Folgen des Klimawandels zunehmen werden, gefährden die europäische Stabilität und Solidarität und schränken die Handlungsfähigkeit der EU ein.

Eine Vorreiterrolle Europas in der globalen Klima- und Umweltpolitik ist also unausweichlich. Nicht nur der Umwelt zuliebe, sondern auch um unseren Wohlstand langfristig zu sichern.

Europa darf bei der unvermeidlichen Umstellung auf ein nachhaltiges Wirtschaftsmodell nicht den Anschluss verlieren. Es ist unverständlich, dass amtierende und zukünftige SpitzenvertreterInnen der EU Klimaschutz immer noch als Luxus verstehen, den sich die Wirtschaft erst einmal leisten können muss. Viel weiter scheint wie so oft das Europäische Parlament, wenn es darum geht, die Interessen der ganzen Union statt jene der einflussreichen Lobbys zu vertreten. Ein starkes und selbstbewusstes EU-Parlament spielt daher eine Schlüsselrolle.

Unsere wirtschaftliche und politische Stabilität, die Schaffung von Arbeitsplätzen und die globale Relevanz der EU hängen von einem nachhaltigen Systemwechsel ab. Daher muss die Europäische Union bis 2040 klimaneutral werden, 50 Prozent ihres Budgets in Klima- und Umweltschutz investieren sowie Kohle, Öl und Gas ausbremsen. Zudem müssen vorbildliche EU-Richtlinien – wie jene zum Wasser- und Naturschutz – von den Mitgliedsländern endlich konsequenter erfüllt und ambitionierter umgesetzt werden.

Europa muss im Umweltschutz ein Vorreiter sein – auch, weil wir zu den Hauptverursachern der ökologischen Krise gehören. Würden alle Menschen auf der Welt so leben wie in der Europäischen Union, hätten wir heuer bereits am 10. Mai alle Ressourcen aufgebraucht, die unsere Erde in diesem Jahr natürlich zur Verfügung stellen kann. Aber auf einem ausgebeuteten Planeten ist keine erfolgreiche Zukunft möglich. Steigende Meeresspiegel und Wetterextreme, Konflikte um immer knappere natürliche Ressourcen sowie gesundheitliche Folgen der Umweltverschmutzung sind zentrale Probleme, die von den Mitgliedern der Europäischen Union entschlossen bekämpft werden müssen. Die Verantwortung dafür darf nicht nur auf die Bevölkerung abgewälzt werden, symbolische Anreize und Sonntagsreden sind zu wenig.

Der WWF fordert einen europäischen Nachhaltigkeitspakt, der mehr Sicherheit und Wohlstand durch konkrete Maßnahmen gegen Klimawandel und Umweltzerstörung garantiert. Europa muss zu einer weltweit führenden nachhaltigen Wirtschaftsregion ausgebaut werden, um Lebensqualität und Arbeitsplätze langfristig zu sichern. Ambitionierte Nachhaltigkeitsstandards sichern die globale Position Europas und führen zu einer größeren strategischen Unabhängigkeit. Und es braucht institutionelle Reformen für eine klimafitte Politik in Parlament und Kommission: Ein/e eigene/r VizepräsidentIn der EU-Kommission muss für Klimaschutz und natürliche Ressourcen und für eine nachhaltige Trendwende in der europäischen Politik verantwortlich sein. Erderhitzung und Umweltzerstörung beeinflussen schon längst alle Bereiche des täglichen Lebens und sind nicht mit dem bisherigen Schubladendenken zu bewältigen. Das Friedensprojekt Europa kann den Frieden nur dann nachhaltig sichern, wenn der Kampf für die Sicherung unseren Lebensgrundlagen oberste Priorität bekommt.

Hanna Simons
Politologin
Leiterin der Natur- und Umweltschutzabteilung und Stellvertretende Geschäftsführerin des WWF Österreich.
Weiterführende Informationen über die Forderungen des WWF in Bezug auf umweltpolitische Herausforderungen der Europäischen Union, siehe Europawahl 2019: Ihre Stimme für die Natur
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